Die Kunst des guten Lebens

Rolf Dobelli

★★☆☆☆


Bei diesem Buch habe ich etwas länger überlegt, wie viele Sterne ich ihm geben soll. Es ist ein Nachfolger der bereits erschienen Bücher "Die Kunst des klaren Denkens" und "Die Kunst des klugen Handelns".

Die Kunst des klugen Handelns habe ich auch bereits rezensiert, falls dich diese Rezension auch interessiert.


Vorweg kann ich erstmal sagen, dass alle Verhaltensfehler, die von Rolf Dobelli aufgedeckt wurden, richtig erfasst und beschrieben sind. Viele von ihnen hindern uns tatsächlich daran, ein sorgenfreies, schönes und gutes Leben zu führen. Im Kern sind sie, wie ich finde, wahr und leider sehr verhängnisvoll. Seine Ausführungen geben Anreize, über das eigene Verhalten nachzudenken. Der Titel Die Kunst des guten Lebens impliziert, dass man in diesem Ratgeber Tipps zum positiven und vor allem aktiven Verhalten vorfinden kann. Leider ist das aber gar nicht der Fall: Rolf Dobellis sehr provokante Schreibweise wurde augenscheinlich von der Via Negativa inspiriert. Es geht eher darum, was die Menschen alles falsch machen und was sie besser unterlassen sollten. Seine Antwort auf die Frage "Was macht ein gutes Leben aus?" besteht in Apathie. Definition: Teilnahmslosigkeit; Zustand der Gleichgültigkeit gegenüber den Menschen und der Umwelt.

In den letzten 200 Jahren haben wir eine Welt geschaffen, die wir intuitiv nicht mehr verstehen.

Beim Lesen dieses Buches ist mir immer wieder aufgefallen, dass dieser Lebensratgeber sehr offensichtlich nicht für meine Zielgruppe geschrieben wurde. Der Autor richtet sich an ein älteres Publikum, vorzugsweise mit einem Vollzeitjob und scheint davon auszugehen, dass seine Leser nicht die hellsten Köpfe sind.

Obwohl Rolf Dobelli menschliche Verhaltensfehler erklärt, die meiner Meinung nach auch tatsächlich verhindern, dass wir ein gutes Leben haben, sind seine Beispiele schlecht gewählt und ich kann diesen so gut wie nie zustimmen. Die Beispiele wirken wie aus der Luft gegriffen, als würde er versuchen, sie seiner Behauptung anzupassen.

Der Autor macht immer wieder spöttische Bemerkungen zu bestimmten Themen, die ihn einfach nur unsensibel und unverständnisvoll wirken lassen, z.B. als er von einem jungen Kindermädchen erzählt, das von ihrem Freund verlassen wurde und deshalb sehr traurig war. Ihr sagt er, dass da draußen nach tausende Männer seien und sie solle doch erst einmal ganz viele durchprobieren, um herauszufinden, was der Markt so hergibt. Würden Sie so eine Antwort hören wollen? Das ist keine Hilfe, sondern schlechter Charakter.


Darum, dass er atheistisch ist, macht der Autor kein großes Geheimnis und fragt zynisch "Wer glaubt denn heutzutage noch an Gott?". Die Antwort würde ihn sicher überraschen, denn ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass auf der Welt noch viele mehr an Gott glauben, als er denkt. Leider finden sich im Buch immer wieder innere Widersprüche, die dem Buch Sinn und Glaubwürdigkeit nehmen. Im Kapitel "Der Kompetenzkreis" beschreibt er, dass wir innerhalb der Grenzen unseren Könnens bleiben sollen und dass es Obsession braucht, denn nur wenn man viele Stunden mit etwas verbringt, wird man drin wirklich gut. Dann gibt Herr Dobelli aber den Tipp, dass man tun soll, was man kann und nicht was man gerne könnte und betitelt diesen Abschnitt die Tyrannei der Berufung. Ich bin allerdings der Meinung, dass man sich nur lange mit etwas beschäftigen kann, das einem auch Spaß macht und meistens -nicht immer, aber meistens- ist man auch in dem gut, was einem Spaß macht.


Zwei Sterne gebe ich dem Buch aber dennoch, da es eine schöne Sammlung von Verhaltensfehlern ist, die richtig beschrieben sind und es lohnt sich, ab und zu, mal etwas darin zu schmökern.

Ich möchte außerdem noch einmal daraufhin weisen, dass diese Rezension einzig und allein meine persönliche Meinung widerspiegelt und das nicht heißt, dass dieses Buch womöglich anderen Leuten nicht doch sehr gut gefällt.

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