Kapitalismus ist nicht das Problem sondern die Lösung

Rainer Zitelmann

★★★★★


- Spoiler Alert -


Der Autor, der dieses Buch geschrieben hat, hat seine Doktortitel alle mal verdient. Dass er Geschichte und Politikwissenschaft studiert und in Geschichte und Soziologie promoviert hat, macht sich in jeder Zeile dieses Buches bemerkbar. Rainer Zitelmann beweist in diesem Spitzenwerk sehr tiefgründige Fachkenntnis, Wortgewandtheit, sowie die Fähigkeit komplexe Sachverhalte einfach und gut nachvollziehbar darzustellen.

"Daran, dass die Armut weltweit durch die kapitalistische Globalisierung zurückgegangen ist, kann es keinen Zweifel geben."

In diesem Buch möchte er die Überlegenheit des Kapitalismus gegenüber jedem anderen Wirtschaftssystem herauskristallisieren, indem er Beispiele anführt, in denen der Kapitalismus viel besser funktioniert und zu einem höheren Lebensstandard, sowie zu mehr Wohlstand und Reichtum geführt hat, als der Kommunismus und die Planwirtschaft. Wichtig ist dabei, dass er nur Länder vergleicht, die aufgrund ihrer gemeinsamen Geschichte und Kultur gut miteinander verglichen werden können, wie z.B. Nord- und Südkorea, DDR und BRD, Venezuela und Chile. Der Autor ist sich sicher: es muss weniger staatliche Regulierungen geben und dem Markt muss mehr Spielraum gegeben werden.

"Der Kapitalismus ist der Grund für ein ungeheures Wachstum des Lebensstandards, wie es ihn vor der Entwicklung der Marktwirtschaft in der ganzen Menschheitsgeschichte nicht gegeben hat."

Die Ursachen und Konsequenzen von vergangenen Wirtschaftskrisen werden extrem gut erklärt. Ich habe sehr viel über die wirtschaftlichen Hintergründe anderer Länder gelernt und mir sind Zusammenhänge ersichtlich geworden, die ich davor nicht richtig verstanden hatte.

Das Buch ist übersichtlich strukturiert und -auch wenn ich nicht jede Quelle geprüft habe- es wird deutlich, dass wissenschaftlich wirklich wunderschön recherchiert wurde. Aus diesem Grund nennt der Autor viele Zahlen und Statistiken, das bremst manchmal ein wenig den Lesefluss, ist aber wichtig, um die Behauptungen korrekt zu begründen.


Klar wird auch, dass alle Länder, in denen bereits das Experiment des Kommunismus versucht wurde, unter der Planwirtschaft massiv gelitten haben. Oft führte diese Art des Wirtschaftens zu genau dem Gegenteil, als dem, was eigentlich von den Kommunisten gewünscht wurde, was Rainer Zitelmann zufolge daran liegt, dass der Kommunismus eine rein theoretische Überlegung ist, in welcher die menschliche Natur nicht berücksichtigt wurde.

Seine wissenschaftlich fundierten Ausführungen über die bereits durchgeführten kommunistischen Experimente konnten mich absolut davon überzeugen, dass der Kommunismus nicht funktioniert und es eben nicht daran liegt, wie manche Sozialisten gerne behaupten, dass er "noch nicht richtig umgesetzt" wurde.


Der Autor erklärt, wie China durch die Sonderwirtschaftszonen, die als Experimentierfelder der Marktwirtschaft fungierten, wieder auf den richtigen Kurs kam und seitdem Exportland Nr. 1 ist, sowie den afrikanischen Ländern erst durch den Kapitalismus richtig geholfen werden konnte, wohingegen Entwicklungshilfe mehr geschadet, als geholfen hat.

Außerdem beschreibt er, wie Margaret Thatcher und Ronald Reagan Großbritannien und die USA durch ihre marktwirtschaftlichen Reformen wieder auf den richtigen Weg brachten und der Sozialismus der schwedischen Wirtschaft geschadet hat. Dabei geht er besonders auf die immer höher werdenden Sozialausgaben der Wohlfahrtsstaaten ein, die seiner Meinung nach unbedingt reduziert werden müssen.

Obwohl mir durchaus bewusst ist, dass die hohe Staatsverschuldung, die zum größten Teil von stetig wachsenden Sozialausgaben verursacht wird, zu großen Problemen führt, würde mich dennoch sehr interessieren, an welchen Stellen der Autor sie denn kürzen würde. Diese Frage gehört allerdings nicht zum Thema des Buchs und wäre damit grob off-topic.


Kapitalismuskritiker fordern mehr staatliche Regulierung im Finanz- und Gesundheitswesen und selbst Rainer Zitelmann, der sich für marktwirtschaftliche Freiheiten stark macht, räumt ein, dass in diesen Bereichen einige Regulierungen nötig sind. Doch die Devise "mehr Regulierung hilft mehr" sei falsch (S.194).


Zu den zwei Möglichkeiten, um soziale Probleme zu mindern (Umverteilung oder Wirtschaftswachstum) führt er ein Gedicht von Berthold Brecht an, dass mir so gut gefallen hat, dass ich es in dieser Rezension nochmal wiedergeben möchte:

"Reicher Mann und Armer Mann

standen da und sah´n sich an,

und der Arme sagte bleich:

Wär´ ich nicht arm, wärst du nicht reich."

Spannend fand´ ich dazu auch sein Kapitel "Warum Intellektuelle den Kapitalismus nicht mögen."


Herr Zitelmann fragt den Leser: Wenn es zwei Arten von Gesellschaften gäbe und in der

  1. ersten wären alle gleich aber wären ärmer

  2. zweiten wäre die Ungleichheit größer, da es einige sehr reiche gibt, aber der Lebensstandard allgemein viel größer wäre, als in der ersten,

in welcher Gesellschaft würde er lieber leben?


Seine Behauptung, dass Kapitalismus das beste Wirtschaftssystem sei, das es gibt, schließt allerdings nicht aus, dass es auch in kapitalistischen Ländern Ungleichheit, Korruption und Armut gibt. Diese sind dem Autor zufolge allerdings "anthropologische ("menschliche") Konstanten, die zu allen Zeiten und in allen Gesellschaften zu beobachten sind" (S.219).


Alles in allem finde ich dieses Buch sehr lesenswert, gut recherchiert und vor allem das Vokabular hat mich beindruckt - ich habe ein paar neue Wörter gelernt.

Ich kann jedem, der sich für Politik und Wirtschaft interessiert, das Buch wärmstens empfehlen.

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