Rente mit 40

Florian Wagner

★★★☆☆

In diesem Buch werden die Grundlagen des Frugalismus anhand von Erlebnisberichten erklärt. Das Ziel ist es, sich vom Überfluss unserer modernen Konsumgesellschaft loszusagen und sich an den kleinen Freuden des Lebens zu erfreuen und somit Geld zu sparen, das man gewinnbringend anlegt. Mit diesem Geld soll man sich dann eine frühe Rente leisten können.

Wie sieht unser erfülltes und glückliches Leben aus? Geld spielt hierbei oft eine wichtige Rolle: Gibt es einen Mangel, führt es zu Sorgen, ist es ausreichend vorhanden, ermöglicht es Freiheiten.

Besonders gut hat mir (als neue Mami) das Kapitel Frugalismus, wenn die Kinder kommen gefallen. Darin hat ein Ehepaar die Ausgaben, die es für seine Kinder getätigt hat, mit den Einnahmen von staatlicher finanzieller Unterstützung (Kindergeld etc.) verrechnet und ist dabei auf ein großes Plus gekommen. In unserer Gesellschaft scheint die Meinung, dass Kinder teuer seien, weit verbreitet zu sein. Das ist mir erst kürzlich im Gespräch mit Nachbarn und Verwandten wieder aufgefallen. Diese Meinung konnte ich allerdings überhaupt nicht nachvollziehen. Mir gefällt sehr, dass dieses Buch mit diesem Vorurteil aufräumt, denn viele Eltern, die wohl der Grund für dieses Stereotyp sind, kaufen ihren Kindern maßlos überteuerte Spielzeuge und ähnliche Neuwaren. Firmen freuen sich über diese Kaufbereitschaft mit dem Slogan "Nur das Beste für Ihr Kind". Dabei ist z.B. nachgewiesen, dass gebrauchte Kleidung für Babys bzw. Kinder besser ist, da diese schon von Schadstoffen reingewaschen wurde. Und es ist auch meine Meinung, dass man Kindern keine Tommy Hilfiger Kleidung kaufen muss, wenn diese sowieso nur zwei Monate passt.


Das Vorwort hat mir aber nicht gefallen, da der der Autor grundlos technische Neuerungen kritisiert, um zu zeigen, dass man viele dieser Hightech-Dinge nicht benötigt und so einen Zusammenhang zum Frugalismus herzustellen. Das finde ich schade, denn diese sind meiner Meinung nach der Schlüssel zu wirtschaftlichem Wachstum. Kern seiner Aussage soll aber sein, dass wir heute Studien zufolge nicht glücklicher sind, als in den 1950ern und 1960ern.

Damit hat der Autor auch durchaus recht, denn Unzufriedenheit liegt in Natur des Menschen und bewirkt, dass wir immer innovativer werden.


Hin und wieder führt Florian Wagner Rechenbeispiele an, um zu verdeutlichen, wie man Geld sparen könnte und dieses investieren kann. Dabei sieht er die minimalistische Lebensart als eine Bereicherung, denn es geht nicht um ein kurzfristiges Hochgefühl, das durch Konsumgüter entsteht, sondern um die Möglichkeit, lebenslang die Dinge tun zu können, die einem Freude bereiten.

Er führt dabei das Beispiel eines Paares an, das zwei Mal pro Woche für je 80€ in teuren Restaurants essen geht (insgesamt also 160€). Auch wenn mir durchaus klar ist, dass es Leute gibt, die ihr Geld dermaßen verschleudern, kenne ich persönlich niemanden näher, der so verschwenderisch mit seinem Geld umgeht. Ich habe daher das Gefühl, dass dieses Buch eher für leichtsinnige Leute geschrieben worden ist, die noch nie mit dem Thema Minimalismus in Berührung gekommen sind: ich selbst sehe mich nicht als verschwenderisch, aber gönne mir trotzdem ab und zu etwas.


Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass Frugalismus nicht mit Minimalismus zu verwechseln sei, da Frugalismus nicht bedeutet, dass man sich gar nichts mehr gönnt; es gehe jediglich darum, nur die Dinge zu kaufen, an denen man auch wirklich aktiv Freude hat. Dem stimme ich voll und ganz zu.

Dennoch war im Buch auch der Erfahrungsbericht von Ranga aus Nürnberg zu lesen, der in seiner Anfangszeit in Deutschland so viel sparte, dass er extra mit seinem Studententicket zu einem weiter entfernten Supermarkt fuhr, um dort Dosen Kidneybohnen zu kaufen, weil sie dort 15 Cent billiger waren, als bei Aldi/Lidl. Er ernährte sich so lange ausschließlich von Reis, dass er wegen seiner einseitigen Ernährung schließlich im Krankenhaus landete.

Diese Geschichte fand ich schon sehr extrem und die hat meiner Meinung nach mit Frugalismus nichts zu tun.

Ich bewerte das Buch mit drei Sternen, da mir persönlich einige der geschilderten Ansätze zu extrem waren. Für jemand anderen, der sich sehr für das Thema Minimalismus interessiert, könnte es sich allerdings als ein Bestreader herausstellen.


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