Schmeckt´s noch?

Jörg Blech

★★★★★

Die falschen Versprechen der Lebensmittelindustrie und wie wir einfach gesund essen können


Heute rezensiere ich mal ein ganz anderes Buch, das sich statt mit Finanzen, mit gesunder Ernährung befasst. Doch meiner Meinung nach gehört auch das Thema Ernährung unbedingt zum Wissenshorizont einer gebildeten Person und ist unverzichtbar in unserem Alltag.


Ich kann von diesem Buch nur schwärmen, denn ich fand es einfach so unfassbar gut! Es hat mich aber auch einfach geschockt, das muss ich ganz ehrlich sagen. Mir war vor dem Lesen nicht bewusst, wie groß das Geschäft der Lebensmittelbranche ist. Natürlich war ich nicht gänzlich naiv und wusste, was als ungesund gilt - doch die Ausmaße, welche die industrielle Nahrung auf unser Leben hat und mit welchen Tricks die Konsumenten dazu gebracht werden, noch mehr zu essen, waren mir ganz und gar nicht klar.


Jörg Blech erklärt, wie die "Zuckermafia" - findige Geschäftsleute, die das Kochen in die Fabrik verlegten - den bereits mehr als satten Verbraucher mit Verbindungen aus Fetten, Zucker und Salz zu noch mehr Essen drängt. Diese Kombinationen wirken auf das menschliche Gehirn nicht anders als Drogen, denn dieses ist den Überfluss an Zucker schlichtweg nicht gewöhnt und kann gar nicht genug von diesen "Belohnungen" bekommen.


Die Industrie spielt mit der Gesundheit der Menschen und der Staat lässt es zu. In den Supermärkten finden sich reihenweise ultraverarbeitete Nahrungsmittel, welche mit "Zucker, Öl, Fett, Antioxidationsmittel, Stabilisatoren, Konservierungsstoffen, Laktose, Molke, Gluten und bereits vorverarbeiteten Substanzen wie hydrolysierte[n] Proteine[n], mit Wasserstoff behandelte[n] Öle[n], isolierte Proteine aus Pflanzen, Maltodextrin, Invertzucker oder Glukose-Fruktose-Sirup" (S. 41) hergestellt werden.

Sprich, das Ganze ist reine Chemie.

"Die verschiedenen Materialien werden miteinander verrührt, gebacken oder gekocht und mit Vitaminen und Mineralstoffen versetzt. Gegebenenfalls kommen auch noch Farbstoffe, künstliche Aromen, Geschmacksverstärker, synthetische Süßstoffe, sowie Chemikalien hinzu, die dem Produkt eine gewisse äußerliche Erscheinung verleihen, darunter Nässungsmittel, Glasurstoffe, Emulgatoren, Komplexbildner."

Das hat dazu geführt, dass Überernährung mittlerweile zum Normalfall geworden ist und die Menschen nicht mehr größer, sondern bloß noch dicker werden. Und das bringt viele Gesundheitsrisiken mit sich.

In Wahrheit gibt es nur einige ganz wenige große Player in der Lebensmittelbranche, wie z.B. Unilever, Danone und The Kraft Heinz Company. Die Markenvielfalt in den Supermärkten mag vielleicht darüber hinwegtäuschen, doch es sind diese paar wenigen Lebensmittelhersteller, die Milliardengewinne mit unserem Essverhalten machen, welches sie durch ihr süchtig machendes Produktsortiment kontrollieren.


Und diese Player haben einen starken Lobbyverband, weshalb jegliche Regulierung in der Lebensmittelbranche kläglich scheitert oder bloße "Show" ist. Diese Unternehmen spannen Wissenschaftler für ihre Zwecke ein und stellen sicher, dass jede Aufklärung den Verbrauchern gegenüber torpediert wird und Zweifel an jeglichen Erkenntnissen gesät werden.


Tatsächlich sind die meisten Nahrungsmittel, die heutzutage in den westlichen Industrienationen täglich auf den Tisch kommen, artfremd für den Menschen, kommen so in der Natur nicht vor und wurden in ihrer Struktur komplett verändert. Und dies hat schwerwiegende gesundheitliche Folgen für die Konsumenten, deren Darmflora durch Emulgatoren geschädigt wird, ebenso wie die Veränderung des Klimas im Mund- und Rachenraum, was zu Karies führt. Der Autor erklärt, warum Menschen vor hunderten von Jahren eher gerade Zähne hatten, als Jugendliche heutzutage und das ganz ohne Zahnspange. Er geht auf viele Faktoren und Konsequenzen der Ernährung ein , auf den Menschen, ebenso wie auf die Umwelt: In den Schwellenländern wächst der Hunger auf Fleisch, was auch für unsere Umwelt eine zunehmende Belastung darstellt. Fakt ist auch: Je mehr Pflanzen die Menschen essen, desto besser ist das für die Umwelt.


Jörg Blech erzählt von seiner Reise nach Sardinien, in bergige Landschaften, in denen viele Menschen über hundert Jahre alt werden und seinem Gespräch mit Guido Cabras, einem fitten alten Herrn, der sich nicht nur sein Leben lang viel bewegt hat, sondern auch noch nie im Supermarkt eingekauft hat (vgl. S. 207).

Er hat sich von lokalen Lebensmitteln ernährt, die es eben so in seinem Dorf gab. Er und seine gleichaltrigen Gesellen essen Brot aus Sauerteig, Suppe aus Möhren, Sellerie, Zwiebeln, Kartoffeln und Fenchel und kennen so gut wie keinen Haushaltzucker. Zum Süßen nutzen sie Honig. Als die Greise jung waren gab es selten Fisch und Fleisch, denn die Küste war nur mit Mühe zu erreichen und Fleisch war teuer und wurde daher höchstens zwei bis vier Mal im Jahr gegessen.


Den ein oder anderen mag dieses komplexe Thema abschrecken, dabei ist es gar nicht so schwer, einfach und lecker gesund zu essen. Man kann auch schon im Supermarkt ganz einfach damit anfangen, statt zu gezuckertem Müsli zu Haferflocken zu greifen.

"Weg von Industrieprodukten, zurück zum echten Essen!" fordert der studierte Biochemiker Jörg Blech


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