Sorge dich nicht - lebe!

Dale Carnegie

★★★★☆


Dieses Buch ist ein Führer zu einer neuen Sicht des Lebens: Dale Carnegie beschreibt in diesem Weltbestseller, wie man mit der Gewohnheit bricht, sich zu ängstigen und zu sorgen. Die Originalausgabe erschien 1948 unter dem Titel "How to Stop Worrying and Start Living" und genau das vermittelt der Autor in diesem Werk.


Besonders lesenswert fand ich den ersten Teil, in welchem Dale Carnegie unter anderem erläutert, was Sorgen mit uns machen können. Wusstest du, dass Sorgen und Ängste zu nervösen Verdauungsstörungen, bestimmten Magengeschwüren, Herzrhythmusstörungen, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen und einigen Arten von Lähmungen führen können? Die Gewohnheit sich Sorgen zu machen, kann tatsächlich krank machen. Betroffene bilden sich ihre Beschwerden keinesfalls ein, sondern sie spüren diese wirklich. Doch ihre Ursache ist rein psychisch.


Jedes Kapitel enthält wertvolle Tipps, die man anwenden kann, um Angst und Sorgen zu vermeiden. Beispielgeschichten (zum Teil von Kursteilnehmern aus Carnegies Abendkursen) verdeutlichen die Wirkung dieser Methoden. Es ist wirklich erstaunlich, über wie viele Dinge wir uns Sorgen machen, die aber so gut wie nie eintreten (da hilft oft die Wahrscheinlichkeitsrechnung!). Daher ein wichtiger Tipp: das Leben in Einheiten von Tagen gliedern. Denn die einzige Zeit, in der wir Einfluss auf unsere Situation haben, ist das Jetzt.

"Es ist offensichtlich, dass uns die Umstände allein nicht glücklich machen. Es ist die Art unserer Reaktion darauf, die unsere Gefühle bestimmt."

Wer sich jetzt denkt "Ach, da steht doch nur drin, was ich eh schon oft genug gehört habe, nach dem Motto 'Wein nicht über verschüttete Milch", hat Recht: im Vorwort warnt der Autor den Leser, dass er bei der Lektüre nicht allzu viel Neues entdecken wird, doch vieles, das allgemein nicht befolgt wird.

Es geht darum, diese fundamentalen Weisheiten auch zu befolgen, es ist ein praxisbezogenes Buch. Die vielen wahren und sehr spannenden Geschichten sollen dabei helfen.


Diese Geschichten, die ja nun schon recht alt sind, stammen von Personen, die ein viel schwierigeres und härteres Leben hatten (und meistens in großer Armut lebten), als der Großteil der Menschen heutzutage. Mich persönlich haben diese Erfahrungsberichte demütig werden lassen und meine Sorgen kamen mir im Vergleich zu ihren unglaublich bedeutungslos vor.

Das Kapitel Würden Sie für eine Million Dollar hergeben, was Sie haben? beginnt mit der Geschichte von Harold Abbott und wie er seine Sorgen loswurde. Er begegnete auf der Straße einem sehr fröhlichem Mann ohne Beine und plötzlich wurde ihm klar, wie gut es ihm ging und er schämte sich über sein Selbstmitleid.

Wenn wir von Menschen erfahren, denen es noch schlechter geht als uns, empfinden wir Dankbarkeit und unsere Sorgen rücken in den Hintergrund:

"Das Leben war trübe, und Dollar hatte ich keine,

Da traf ich auf der Straße einen Mann ohne Beine."

"Wir denken selten an das, was wir haben, sondern immer nur an das, was uns fehlt."

Am besten man akzeptiert das Unvermeidliche, denn wenn man sich damit abgefunden hat, dass das Worst Case Scenario eintreten könnte, verliert man die Angst davor und ab dem Zeitpunkt, ab dem gelassener wird, lösen sich die meisten Probleme eh von allein. Ein schönes Zitat in diesem Zusammenhang ist:

"Gott, gib mir Gelassenheit, hinzunehmen, was nicht zu ändern ist, Mut, zu ändern, was ich ändern kann und Weisheit, zwischen beiden zu unterscheiden."

Um sich nie mehr Sorgen zu machen, muss man eine geistige Haltung entwickeln, die einem Glück und Frieden bringt. Das Buch ist in diesem Sinne sehr umfangreich gestaltet.

Dale Carnegie bietet nämlich außerdem Hilfe bei folgenden Themen: wie man sich nicht mehr über die Undankbarkeit der anderen ärgert, wie man ein Minus in ein Plus verwandelt, wie man keine Angst vor der Kritik anderer mehr hat und wie man Müdigkeit fern hält und voller Energie ist.

Die universelle Wahrheit ist nämlich, dass

"Unser Leben [...] das Produkt unserer Gedanken [ist]."

Das Buch ist wie ein Buffett mit vielen verschiedenen Ansätzen, die gegen Sorgen und Ängste helfen und jeder Einzelne sucht sich aus, was ihm am besten hilft.

Dale Carnegie selbst hat insbesondere der Glaube sehr geholfen.

"Herr, mach mich zu einem Instrument deines Friedens. Wo Hass ist, lass mich Liebe säen. Wo Unrecht ist, Vergebung. Wo Zweifel ist, Glaube. Wo Verzweiflung ist, Hoffnung. Wo Dunkelheit ist, Licht. Wo Trauer ist, Freude.[...]"


Dabei erklärt Carnegie, dass Beten etwas für jedermann ist, nicht nur für Gläubige. Denn um zu beten, müssen wir unsere Gedanken in Worte fassen und das hilft uns, uns über unsere Gefühle klar zu werden.


Mein absolutes Lieblingskapitel ist das, in dem Carnegie erklärt, was uns müde macht und was wir dagegen unternehmen können. Sein Tipp Nr° 1 ist: ausruhen, bevor man müde wird!

Selbst wenn es nur ein paar Minuten sind. Auf diese Weise können wir Müdigkeit vorbeugen und Kraft tanken.

Ein Mensch, der körperlich arbeitet, leistet mehr, wenn er sich mehr Zeit zum Ausruhen nimmt! Klingt logisch oder nicht?

Folgendes Experiment ist wirklich faszinierend: In der Bethlehem Steel Company verluden Arbeiter jeden Tag zwölfeinhalb Tonnen Roheisen und waren mittags sehr erschöpft. Frederick Taylor behauptete allerdings, dass sie siebenundvierzig Tonnen (fast das Vierfache!) verladen könnten.

Er wählte dann einen Mann aus, der genau nach der Stoppuhr arbeiten sollte und immer dann arbeiten und dann ruhen sollte, wann Taylor es ihm befahl.

Und dieser Mann schaffte es tatsächlich siebenundvierzig Tonnen Eisen täglich zu verladen, indem er ruhte, ehe er ermüdete.

Er arbeitete in der Stunde 26 Minuten und ruhte sich 34 Minuten aus, das heißt, dass er sich mehr ausruhte, als er arbeitete.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, dass wir uns die Zeit nehmen, rechtzeitig Kraft zu tanken.


In diesem Kapitel stieß ich noch auf eine weitere unglaubliche Erkenntnis: Geistige Arbeit allein macht nicht müde!

Wenn man einem Arbeiter während der Arbeit Blut abnimmt, findet man darin "Ermüdungstoxine". Entnimmt man jemandem, der nur geistige Arbeit verrichtet hat, Blut ab, ist dies nicht der Fall. Unser Gehirn kann nach acht oder sogar zwölf Stunden Anstrengung noch so gut und rasch arbeiten wie am Anfang.

Tatsächlich ist Müdigkeit das Ergebnis von nervösen Muskelspannungen, weil wir oft unbewusst Muskeln anspannen, die wir zu unserer Arbeit gar nicht benötigen.

"[...] [D]er größte Teil unserer Müdigkeit [wird] durch unsere geistige und seelische Haltung verursacht."

Die Lösung liegt darin, den Körper zu entspannen. Der wichtigste Ansatz dabei sind die Augenmuskeln.

Ist dir schon mal aufgefallen, dass man beim Lesen schneller müde wird? Das liegt nicht etwa an dem Inhalt, den man liest, sondern daran, dass die Augen "[...] ein Viertel der vom Körper verbrauchten Nervenenergie verbrennen" (S. 292).


Dieses Buch bietet wirklich einen großen Mehrwert und ist sehr hilfreich, um Sorgen und Müdigkeit zu vertreiben. Ich denke, dass jeder Leser etwas aus dem Buch mitnimmt.

Obwohl mir persönlich sein Buch "Wie man Freunde gewinnt" noch besser gefällt, hat Dale Carnegie hier wirklich unbezahlbar gute Informationen zusammengetragen.


Ich hoffe, dass dir diese Rezension weitergeholfen hat und ich dich ein Stück weit für das Buch begeistern konnte. Es ist auf jeden Fall sehr lesenswert.






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